2012-10 In Badelatschen durch halb Europa

Tja, da lag ich mal wieder im Krankenhaus, diesmal in Fethiye an der türkischen Ägäisküste. Keine Ahnung wie ich hier her komme, keine Ahnung warum. Ich bin eben aufgewacht und denke so bei mir, he, was los, war doch eben noch am Startplatz auf dem Babadag. Was genau passiert ist erfahre ich hoffentlich noch. Hab scheinbar nach dem Start vom Babadag Kontakt mit den Felsen gehabt. Dabei gab’s Rückenschmerz, Beulen und tiefe Löcher und Kratzer im Helm, ein paar Löcher und abgerissene Leinen im Schirm und ein gebrochenes Schlüsselbein. Sonst ist alles okay, ich lebe und meinem Rücken gehts im großen und ganzen auch gut. Was war da passiert ?

Wie ich später erfahre, wurde sich bei der Erstversorgung in Ölüdeniz leider nicht so nett um mich gekümmert (ich schreibe das hier 2012, muss ich dazu sagen; seit dem hat sich viel geändert vor Ort) .
Dort wollte man mich doch allen ernstes ins Hotel schicken und ich sollte am nächsten Tag wiederkommen, da der Chirurg nicht im Hause sei. Erst auf Druck meiner Freunde wurde ich nach Fethiye ins Letoon Hospital verlegt und dort auch sofort am Schlüsselbein operiert. Die Pfleger und -rinnen im Letoon Hospital kümmerten sich sehr gut um mich (Letoon kommt von dem antiken Letoon hier in der Gegend). Auch der Arzt ist sehr mitteilsam und geduldig. Zum Glück ist eine Deutsche Ärztin dabei, so fällt mir das zuhören leichter 🙂

Ich erfahre von meinen Freunden, dass man mich zwischen den Felsen rausgeholt hat. Muss also nach dem Start etwas schief gegangen sein. Vermutlich kam der Wind von vorne und von hinten, da ich links neben dem Haus gestartet bin, hab ich nicht beide Windfahnen sehen können. Ganz klar Pilotenfehler. Ich hab bis heute (2019) keine Erinnerungen an den Unfall, es kam bisher nichts davon zurück. Keine Flashbacks oder wüste Träume. Mein Gehirn meint wohl, das brauch ich nicht mehr 🙂

Jetzt, wie ich das hier schreibe, nach gefühlten vier Tagen Krankenhaus gehts endlich wieder heim. Ihr glaubt nicht, was ich mich auf meine Matratze freue. Geht doch nichts über eine gute Spezial Kaltschaummatratze aus der Bettenwelt freue 🙂 Nach zwei Tagen schlechtem Schlaf wegen Baulärm und nächtlichem Gewitter und Regen, muss ich nur noch 3std Flug von Istanbul nach Hause aushalten.

In Istanbul werde ich am Gate abgeholt und gleich in einen Rollstuhl gesetzt. Der Sanitäter rollt mich dann auch noch zum nächsten Gate und dort sitz ich dann ne knappe Stunde rum. Ich gehe dann selbst ins Flugzeug ohne Rollstuhl und so ist in FRA auch keiner am Gate, der mich mit Rollstuhl abholt. Da hätte ich in Istanbul Bescheid sagen müssen. Das muss man eben wissen 🙂

Die 3 Std vergingen wie im Fluge 🙂 Leider war in Frankfurt der Handyakku leer, so konnte ich meinen Abholern nicht Bescheid geben, das ich mein Gepäck suche. Ich laufe in FRA wohl den falschen Schildern hinterher und lande im falschen Gebäudeteil. Das ich aber in der falschen Halle bin, stelle ich erst nach einiger Zeit mit Hilfe eines Lufthansa Mitarbeiters fest. War wohl doch n heftiger Schlag auf den Kopf am Babadag 🙂

Nach einem kurzen Ausflug in den Wartebereich am Ankunfts Terminal klärt sich alles. Ich lass mich gern mit Jenny’s neuem Aigoo nach Hause kutschieren. Erstaunlich praktisch der kleine Aigoo. Und niedlich 🙂 Wir fahren noch mein Auto holen, dann gehts endlich heim, duschen falls das meine Gesundheit zu lässt (weil ja Schlüsselbein gebrochen) und dann ab ins Bett.

Der Doc sagt mir am nä Tag  beim Blick aufs ct, es ist alles prima, die OP ist herrvorragend durchgeführt worden. Ich darf zwei Monate nichts schweres heben. Damit fällt im November der Spanienurlaub flach, zumindest, was das Gleitschirmfliegen betrifft. Sonst gehts mir mtlw (August 2012) wieder recht gut. Nur der Rücken schmerzt noch immer mal und der Unfall ist und bleibt weiterhin im Nebel. Vielleicht auch gut so. Wer weiss, was ich da erlebt habe.

Leider ein trauriges Ende dieses Flugurlaubes, aber für mich kein Grund, nicht nochmal nach Ölüdeniz zu fahren. Ich war danach in 2014, 2015 und 2017 nochmal dort mit meinem neuen Schirm, einem Mescal4, da ich zum Mistral 6 kein Vertrauen mehr hatte und mich nicht mehr wohl fühlte darunter. Ich hatte dort wieder ein paar schöne Stunden in der Luft und am Boden. Das Vertrauen in einen Schirm und die Bewegungen musste ich aber erstmal langsam wieder aufbauen. Manchmal beschleicht mich auch heute noch ein komisches Gefühl beim fliegen. Das macht mir aber kein Angst oder so. In diesen Momenten, mehr ists zum Glück nicht, fehlt diese unbeschwerte Freiheit wie am Anfang der Flugkarriere. Ich denke aber immer noch, der Schritt zurück zu einem A-Schirm, war der richtige für mich. Das muss wohl jeder für sich selbst herausfinden, der in solche Situationen gekommen ist. Vermeidung war für mich keine sinnvolle Strategie. Ich liebe Gleitschirmfliegen und mir würde etwas wichiges fehlen, könnte ich das nicht mehr machen.

Seit Herr E. in der Türkei am Ruder ist, ist die Türkei leider erstmal kein Reiseziel mehr für mich, soviel Prinzip leiste ich mir dann doch mal. Ich hoffe das wird sich in den nächsten Jahren wieder normalisieren, denn es ist ein sehr schönes Land mit vielen hilfsbereiten und sehr netten Menschen und würde mich freuen, dort mal wieder Urlaub verbringen zu können, allein um den Menschen im Tourismus dort Ihr Auskommen zu sichern.

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