2019-06 Kössen Testival

Nachdem der StubaiCup im Frühjahr abgesagt werden musste, war heuer war mal wieder Kössen Testival geplant. Mit rund 7500 Flügen diesmal auch wieder ein riesiges Event in der Gleitschirmszene. Die Vorhersagen sahen eher nach Absage aus, nur Regen und Wolken. Meine Freundin konnte leider aus familiären Gründen nicht mit, so habe ich bei Rita erst storniert und dann kurzfristig neu gebucht, was zum Glück auch problemlos ging. Da ich meiner Freundin nichts helfen konnte, dachte ich mir, ich brauche mal eine kleine Auszeit. Und Kössen ist eh immer für eine (Wetter-)Überraschung gut, also versuche ich es einfach mal. Zum Glück war noch ein kleines Zimmer frei mit Blick aufs Unterberghorn, dem Flugberg in Kössen.

Die Autobahn war relativ frei am Mittwoch Nachmittag, nur die vielen Baustellen auf der A3 haben tierisch genervt. Vor den Sommerferien soll wohl noch schnell alles fertig gebaut werden. Die Münchner Ring Zufahrt von der A9 war verstopft wegen einer Baustelle, so versuchte ich eine Abkürzung auf der Parallelstrasse. Das ging recht gut, bis ich wieder auf den Ring auffahren musste. Im weiteren Verlauf wurde das Inntaldreieck als Staustelle im Navi angezeigt. Also versuchte ich es über Miesbach auf der Landstrasse. Das erwies sich leider nicht als sehr hilfreich, da einige Abschnitte der 307 gesperrt waren wegen Feierlichkeiten oder Baustellen. So kam ich genauso spät an, als wenn ich mich in den prognostizierten Stau gestellt hätte. Manchmal ist das sture auf der Autobahn bleiben vlt. doch die bessere Wahl.

am Mittwoch Abend regnet es noch

Da meine Freunde erst am nä Tag anreisen können, gehe ich, nach einer herzlichen Begrüßung im Landhaus Greiderer, im Nieselregen zur Kaiseralm am Eurocamping. Die Kaiseralm ist ein Restaurant auf dem Campingplatz, das auch von außen zugänglich ist. Nach einem kleinen Anstieg kommt man in 5-10min von der Pension dorthin. Es gibt eine leckere Tiroler Leber Pfanne, die wie immer ein Genuß ist und dazu ein Zwickel Bier. Endlich Urlaub, denke ich so bei mir, als ich auf dem Rückweg die Wolken, die überall dicht über dem Boden unterwegs sind, sehe, Der Regen muss ja irgendwo hin, wenn er nicht abgelaufen ist. Die Bauern hat das Frühjahr gefreut, der Tourismus war damit wohl eher unzufrieden.

am späten Abend sind noch viele Wolken unterwegs
Donnerstag 30.Mai 2019 Wandertag

Am nächsten Morgen dann wieder Regen. Nach einem kurzen Frühstück schnell in den M-Preis Supermarkt, Wasser und ein paar Snacks holen. Mittags fahren Jenny, die in der Nacht angekommen ist, und ich zum wandern ins Kaiserbachtal. Der Regen hat aufgehört, aber am Berg ist noch alles voller Wolken. Ob da heut noch was zum fliegen geht ? Der Bauern mit dem ich spreche, ist sich da auch nicht ganz sicher, also nutzen wir die Zeit und bewegen uns etwas. Wir wollen 16Uhr zurück sein, also bleiben wir im Tal und laufen nicht zur Scheibenbichlalm hinauf. Bis zur Fischbachalm ists etwa eine Stunde, das passt uns prima. Wir verpassen leider den Einstieg zum Wanderweg, der parallel zur Strasse verläuft. Der befindet sich vor der Brücke zum Parkplatz links.

Es nieselt ein bischen, aber wir sind gut gerüstet und die Stunde Fußmarsch, mit gemütlichem Anstieg zur Fischbachalm, vergeht wie im Fluge. Wir beschliessen, nicht einzukehren und laufen wieder zurück, damit wir gg 16Uhr an der Bergbahn sind. Wir wussten nicht genau, wie lange der Lift offen hat. Zum Testival werden die Öffnungszeiten aber meist verlängert, diesmal bis 17.30Uhr.
Als wir wieder nach Kössen kommen, fliegen die ersten schon. Wir packen unsere Sachen und fahren hoch, beschliessen, einen kleinen Abgleiter zu machen zum eingewöhnen. Der Regen verzieht sich endlich und die Wolken reißen etwas auf und geben blauen Himmel frei. Als wir oben stehen, sind recht gute Bedingungen zum starten. Am Startplatz liegen noch ein paar Schneefelder, die einen Tag später am Fr. abgetaut sind, durch den Regen und die warme Luft.
Es war voll, etwa wie an einem normalen Kössen Wochenende, würde ich sagen. Man macht sich fertig, steht 10min an und kann dann rausstarten. Das klappt bei uns auch gut, da sich alle geduldig anstellen. Zum eingewöhnen wars genau richtig.

Freitag 31.Mai 2019 noch ein Wandertag ?

Am Freitag dann wieder ein verregner Morgen. Wir beschliessen kurzfristig auf dem ehemaligen Schmugglerweg zur Wallfahrtskirche Maria Klobenstein zu wandern. Wir beginnen an der Holzbrücke am Mühlbachweg. Von dort zur Wallfahrtskirche ist man gemütlich etwa 40-50min unterwegs.
Auf der Westseite des Flusses hinter der Holzbrücke ist ein kostenpflichtiger Parkplatz (3.-€).
Der Weg ist augeschildert (nicht den Weg nach der Brücke direkt am Fluss nehmen) und geht an einem Haus durch das Tor im Stauwehr hindurch den Berg hinauf. Der Weg ist anfangs ein Schotterweg, später dann ein guter Wanderweg mit ein paar Steigungen, rutschigen Stellen und Wurzeln auf dem Weg. Gutes Schuhwerk und etwas Trittsicherheit sollte man hier mitbringen, für Kinderwagen ist er eher anspruchsvoll.
Auf dem Weg die Augen offen halten, denn am Wegesrand sieht man u.U. interessantes, wie zum Beispiel große Weinbergschnecken und Feuersalamander sowie eine recht üppige Pflanzenwelt.

Der Weg führt komplett durch den Wald, an einigen kleineren Wasserfällen vorbei. An heißen Tagen hat man hier ein angenehmeres Klima als im Kössener Tal. Man kann den Weg auch weiter nach Deutschland laufen, oder, wie wir, rechts den Berg hinunter abbiegen zur Wallfahrtskirche. Wenn man den Wanderweg nicht zurück gehen möchte, muss man leider auf der Strasse zurück gehen, das ist aber nichts mit Kindern, da man direkt auf der Strasse läuft. Es fährt von der Wallfahrtskirche auch ein Bus nach Kössen. An der Wallfahrtskirche gibt es ein Restaurant. Wir essen und trinken eine Kleinigkeit und laufen die Strasse wieder zurück, da wir nach Möglichkeit ja noch fliegen wollen. Man läuft etwa 30-40min zurück bis zur Holzbrücke kurz vorm Ortsausgang.

Als wir das Unterberghorn endlich im Blick haben, sehen wir schon einige Flieger in der Luft. So schön wie gestern Nachmittag ist es heute zwar nicht, aber wir entschliessen uns, hoch zu fahren. Ich gehe zum Ozonstand und laße mich von Conny zu einem Middle B Schirm beraten. Ich bin letztes Jahr am Bischling den Rush geflogen, der mir u.a. durch seine Wendigkeit angenehm in Erinnerung geblieben ist. Nur war er mir etwas zu “redsam”. Conny empfiehlt mir einen Geo, den Leichtschirm des Ozon Buzz6, einem LowB Schirm, wie mein ION4.
Ich bekomme den Geo4 in der ML Variante, die von 90-104kg Startgewicht geht. Auf dem Berg gehe ich dann eine Etage über den Startplatz, da mir dort zuviel Andrang herrscht. Hier oben liegen noch Schneefelder, während am Nord Startplatz unter uns nur noch am Rand etwa Schnee liegt. Nach einigem warten und einem netten Gespräch mit einer Fliegerin aus Braunschweig lege ich dann endlich aus. Zum leichten Westwind ist mittlerweile Rückenwind dazu gekommen. Entsprechend sehen wir einige Fehlstarts. Es wird an den Gurten gerissen, sich auf die Bremsen gestützt ins Gurtzeug gehoben, zu langsam gelaufen, zuviel gelaufen und zu wenig geführt, das man sich wundert, das so “wenig” passiert ist dieses Wochenende. Einige scheinen sich aber doch ganzschön weh getan zu haben, was ich so sah. ZB ein Mädel haute sich das Knie sehr unsanft an, da Ihr Schirm beim starten ins pendeln gerät und sie das nicht gleich unter Kontrolle bringt. So haut sie mit Schwung seitlich in Boden und bleibt erstmal kurz liegen.

Das gesehene motiviert natürlich einmal mehr, keine Fehler beim Start zu machen. Wir stehen etwa zu zehnt und warten auf nachlassenden Rückenwind. Ich warte auf eine Phase zwischen West und Rückenwind und renne vorwärtsstartend mit starker Beschleunigung hinaus. Der Geo4 startet super, kommt gerade hoch und bleibt über mir stehen, was mir sofort sympathisch ist 🙂 Beim ION hab ich immer mal das Gefühl, das er etwas überempfindlich darauf reagiert, wenn man ihn nicht ganz akurat gerade aufzieht. Wenn die Bedinungen etwas anspruchsvoller am Start, dann hat man mit den Ohren schnell mal unsaubere Zustände. Ich hatte da schon einige Starts, wo ich mich fragte, was hab ich denn nun schon wieder falsch gemacht.
Ich komme gut raus und hab einen angenehmen Flug mit dem Geo. Der könnte schon in die engere Wahl kommen, wenn ich mal wieder einen neuen Schirm brauche. Er reagiert etwas dynamischer, als der ION4, hab ich den Eindruck.

… weiterhin in Arbeit …

Samstag 01.Juni 2019 die Plastikwolke über dem Unterberghorn

Der Morgen beginnt mit blauem Himmel. In der Nacht hatte es nochmal geregnet, entsprechend sind noch einige Wolken am Berg, was einige Flieger aber nicht daran hindert,
von der Scheibenwaldalm auf halber Höhe des Unterberghorn zu starten. Wir frühstücken erstmal gemütlich auf der Terrasse und schauen den Abgleitern zu. Gegen 10Uhr machen wir uns dann auch auf den Weg, um noch einen Parkplatz am Lift zu bekommen. Der Erfahrungsgemäß wird es gegen Mittag sehr voll dort. Nicht nur viele Flieger sind unterwegs, das Unterberghorn ist auch ein beliebter Wanderberg


von der unglaublich viele Flieger in der Luft, geschätzt über 300. Trotz allem läuft es sehr gut ab, kein Chaos, viele Fehlstarts sind zu sehen, teils mangelnde Technik, teils Überforderung mit den schirmen hab ich so den Eindruck. Starten ist jetzt auch nicht immer meine größte Qualität, aber was so manche(r) da am Schirm rumreißt, da würde ich dringend mal zur Nachschulung gehen. Kostet nicht viel, bringt aber viel Ruhe in den Start und einen entspannteren Flug. Und vlt sollte so manche(r) auch mal über die Schirmwahl nachdenken.

Am Sonntag dann wieder blauer Himmel am Morgen. Wir frühstücken auf der Terrasse vorm Haus mit Blick auf den wilden Kaiser. Dann beschließen wir einen Flug. Ich fahre selbst zum Landeplatz, da ich ja heute Abreise habe. Da niemand nachkommt, kann ich meine Sachen im bis zum Nachmittag im Zimmer lassen. etwas ruhiger, gefühlt weniger Piloten und durch einige Rettungseinsätze, bei denen zum Glück wohl niemand ernsthaft zu schaden kam, etwas entspannteres Kurbeln in der Thermik, dann bei Hubschraubereinsatz jedesmal Startverbot herrschte. Wohl dem, der rechtzeitig raus kam. Ich hatte mir beim Pier einen Buzz6 ausgeliehen, weil es am Ozon Stand immer etwas schwierig war, einen Schirm in der passenden Größe zu bekommen. Oben war dann einer der besagte Rettungseinsätze mit Startverbot, weil ein Paraglider am Retter auf der Westseite runter gegangen ist. Falls Du das hier liest, melde Dich, ich hab davon ein paar Fotos und Videos gemacht, falls Du das sehen willst.

Es kamen einem nicht soviele Piloten frontal entgegen beim Thermikkreisen 🙂