2016 April – wieder Sicherheitstraining am Gardasee

Nach einem Unfall beim Start am Babadag in Ölüdeniz 2012 und einigen blöden Flügen danach mit dem Swing Mistral6 in den Alpen und in Bassano in 2013, hatte ich ein mieses Gefühl beim fliegen (was nicht am Schirm liegt, sondern daran, das ich zu wenig zum fliegen kam), darum beschloss ich, vom Highend EN-B Schirm einen großen Schritt zurück auf einen EN-A Schirm zu gehen, um wieder Ruhe und Sicherheit beim fliegen zu bekommen. Sonst hätte ich über kurz oder lang wohl den Spass am Gleitschirmfliegen verloren.

Anfang 2014 kaufte ich mir, leicht gebraucht (10Flüge), einen orange-goldenen Skywalk Mescal 4. Mit diesem habe ich gleich danach im April 2014 ein Sicherheitstraining gemacht, was mir wieder etwas mehr Ruhe gegeben hat. Mir steckte immer noch der Unfall und die SIV Sturzspirale mit dem Mistral6 im Kopf. Beim letzten Sicherheitstraining mit dem Mistral6 wollte ich einen SAT fliegen, habe aber zu spät und dann zu heftig eingeleitet und bin so in die Sturzspirale geraten. Ich hatte leider kein GPS Gerät dabei, aber gefühlt waren es sicherlich mehr als 20m/s Sinkgeschwindigkeit, von den G-Kräften mal ganz zu schweigen. Es ist genau diese gefürchtete Eigenschaft des Schirm’s die mir lange zu schaffen machte, da er sehr rabiat abspiralt, wenn man einen gewissen Punkt überschritten hat und er muss dann ganz deutlich und aktiv aus der Spirale geholt werden, sonst hat man verloren, wie einige bedauerliche tödliche Unfälle mit dem Mistral6 zeigten. Trotz allem hat der Schirm eine Menge Spaß gemacht, aber man muss halt viel damit fliegen; es ist eben ein Highend EN-B Schirm, der eine gewisse Praxis vorraussetzt.

Ich war mit dem Mescal 4 dann auch gleich eine Woche in Slowenien mit Airsthetik, was ein riesen Spaß war, Dank kleiner Gruppe und den richtigen Leuten, Hallo Heli und Stefan V. 🙂 Und das Wetter spielte die meiste Zeit auch mit. Erst am letzten Tag bin ich eine Spirale geflogen, an der ich endlich wieder mal Spaß hatte. Bei späteren Flügen hatte ich aber  immer noch ein etwas komisches Gefühl, obwohl ich der Ansicht war, das mit der Slowenientour der Knoten geplatzt sei.
Im Mai 2016 habe ich dann wieder ein Sicherheitstraining bei Airsthetik gebucht, weil ich den Spass und die Freude am Gleitschirmfliegen zurück haben wollte. Denn irgendwie war ich immer noch blockiert. Ich hatte immer noch Probleme beim landen richtig durchzubremsen und das Spiralen ging nicht so locker, wie früher gewohnt.

Im Training hatte ich dann nach einigen Wingovers den Punkt erreicht, wo ich mich pudelwohl unter meinem Schirm fühlte. Heli, der Trainer, meinte dann, ich solle doch mal wieder einen SAT probieren. Zwei Flüge später ließ ich mich dann „überreden“ 🙂
Heli fragte mich natürlich vorher per Funk von unten, und ich gab mein ok. Einleitung wie gehabt, ich wickle die Bremse und warte, das der Schirm abkippt. Leider verpasse ich knapp den Punkt und ich gehe in eine Spirale. Heli wird am Funk immer hektischer, das ich ausleiten soll. Ich kann anfangs garnicht verstehen, warum er so intensiv auf mich einredet. Ist doch „nur“ ne Spirale 🙂 Ich leite also aus, was wie zu erwarten bei einem EN-A Schirm sehr einfach geht. Nach der Landung, als Heli Zeit hat und zu mir kommt, meint er: ‚Ich war mir nicht sicher, ob Du allein aus der Spirale kommst, darum wurde ich etwas unruhig am Funk.‘ Ich sagte nur: „Wenn das die Steilspirale mit diesem Schirm ist, dann liebe ich diesen Schirm :-)“

Ich hatte zu keiner Zeit das Gefühl, das ich unkontrolliert runterspirale, die G-Kräfte sind moderat und sobald man aus der Spirale will und sich aufrichtet, verlangsamt der Schirm seine Drehungen und wird gemütlicher. Wenn man schon zu tief ist, sollte man das natürlich aktiv unterstützen, um schneller aus der Spirale zu kommen. Dabei aber darauf achten, das der Schirm nicht ins schaukeln gerät, als gut dosierte Bremsimpulse geben. Das ganze ist aber kein Vergleich zum Mistral6.

Ich bin total happy mit dem verpatzten SAT, denn er zeigt mir, das ich mich nicht davor fürchten muss, in die Spirale zu gehen. Nach einige WingOvern, die bei dynamischem Bremszug auch schonmal recht hoch gingen (leider A-Synchron bei mir, da durch den Unfall der linke Arm wohl noch etwas zu wenig Druck aufbaut), platzte mein Knoten im Kopf endlich.
Bei den nachfolgenden Flügen hab ich eine Menge Spaß beim Wingovern und spiralen, bis beim Wingovern eine Flügelseite reinkommt. Ich ermahne mich, jetzt nicht zu übermütig zu werden 🙂 Ich merke aber auch ganz genau, das ich alles sehr gut kontrollieren kann. Der gefühlte Kontrollverlust beim Mistral6 war glaube ich der Punkt, der mich die ganze Zeit blockiert hat.

Im Juni 2016 konnte ich dann in Bassano nochmal zwei sehr schöne Flüge machen. An der Ridge entlang bis auf Höhe des Monuments und zurück. Dann vor zum Garden Relais und wieder zurück an den Hang. Da sich laut Wetterbericht über den Dolomiten ein Gewitter aufbaute, war es teilweise etwas ruppig am Hang. Wir hatten das Wetter aber im Auge, es ging immer mal mit 3-4m/s aufwärts, aber die Wolken waren noch weit weg. Ich fühlte mich aber zu keiner Zeit unwohl unter meinem Schirm, ganz im Gegensatz zu damals, als ich mit dem Mistral6 bei ähnlichen Bedingungen flog. Als ich beim zweiten Flug wegen heranziehender dunkler Wolken mit knapp 1000m Höhe abflog zum Landeplatz, spiralte ich mal länger abwärts, was mir wieder einen Riesen Spaß machte, so wie früher mit dem Mistral4. Da die Flugausbeute in unserem 3wöchigen Alpenurlaub so mau war, habe ich nochmal eine Woche Dolomitensafari bei der Wasserkuppe gebucht, um den  Trainingseffekt zu vertiefen.

Der Wettergott war mit uns und die Sommerthermik nicht zu heftig und so hatten wir eine geniale Woche, mit mindestens einem Flug pro Tag. Und ich hatte endlich wieder richtig Spaß am fliegen, bemerkte allerdings auch, das der Mescal nicht so recht in der Thermik bleiben wollte. Immer wenn ich drin war, wollte sich der Schirm in DSC02955der Thermik aufstellen. Ich musste dann immer wieder stark reinbremsen, was dazu führte, das ich bei kleineren Thermiken aus der Blase rausfiel. Felix Wölk, unser Guide meinte, ich muss gefühlvoller die Bremse ziehen und nachgeben. So gut das eben mit einem A-Schirm geht  🙂 Da werde ich wohl noch üben müssen. Was mir ja immer einen großen Spaß machte, mit den Schirm nahezu auf der Stelle zu drehen, wenn man mal in einer guten Thermik war. Wie gesagt, ich muss noch dran arbeiten, das Bremsenspiel gefühlvoller zu beherschen.

Erst dann werde ich wohl das ganze Potential dieses feinen Flügels auspielen können. Was mir aber auch sehr gefiel, das ich mich vor den mitfliegenden B-Schirmen nicht verstecken musste. Die Leistung des Mescal4 ist für einen A-Schirm erstaunlich. Auf dem Vario (Skytraxx2) wurde mir beim Flug von der Plose immer wieder Gleitwinkel 10 angezeigt, auch wenn das nur ein geschätzter Wert ist. Bin mal gespannt, was der Mescal5 dann zu bieten hat, wenn er kommt. Die Tour hat mir nun aber wieder viel Ruhe und Sicherheit gegeben, nun muss ich sehen, das ich regelmäßig zum fliegen komme. Als nächster Termin steht im November Algodonales auf dem Plan.

 

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